Immer schön bei Laune halten

Ganz nach dem Motto „keep them happy“ den Trainingsalltag gestalten – wieso ist das so wichtig? Wieso ist das so entscheidend, um kontinuierlich Trainingserfolge zu erreichen?

Genau wie beim Menschen ist auch jedes Pferd in Bezug auf Arbeitseinstellung und Motivation sehr individuell. Da gibt es die Streber, die Rebellen, die „Ich mach nur das Nötigste – Kandidaten“, die Klassenclowns, die Ängstlichen, usw. Die einen „wollen immer gefallen“, während die anderen jedes Mal erneut „nachfragen“ – Eigenschaften, die zum Teil rassetypisch bedingt sind und in gewissem Maße beeinflussbar sind.

Pferde sind als individuelle Lerntypen anzusehen, man sollte auf verschiedene Lernwege eingehen, um bestmögliche Lernerfolge zu erhalten und ein zufriedenes, ausgeglichenes Pferd zu haben. Sich diesbezüglich immer wieder neu auf ein Pferd einzustellen und das Training anzupassen – ein Aspekt im Pferdetraining der sowohl anspruchsvoll ist, mich aber sehr fasziniert. Denn so lässt sich die gewollte (Arbeits)einstellung erarbeiten, um daraufhin das eigentliche Training bestmöglich aufzubauen.

Doch was ist essentiell, um sein Pferd bei Laune zu halten?

Trainingsausgleich schaffen. Dieser Ausgleich kann sehr unterschiedlich aussehen: mit einem meiner Pferde mache ich ein paar Gymnastiksprünge zum Ausgleich, mit einem anderen gehe ich eine entspannte Runde laufen und mit dem nächsten mache ich einen zackigen Ausritt – diese Ausgleiche können sich natürlich auch nach Tagesform unterscheiden.

Realistische Ziele setzen. Diese sollten logisch gewählt, erreichbar und messbar sein für Pferd und Mensch, was sowohl die zeitliche Komponente, als auch die Leistungskomponente an sich betrifft. Dieses Ziel muss sich nicht auf eine große Sache beschränken, es können Etappenziele in verschiedenen Bereichen gesetzt werden. Ein Beispiel dafür könnte sein: Ich möchte, dass sich mein Pferd besser verladen lässt; Ich möchte die Grundlagenausdauer verbessern; Ich möchte, dass mein Pferd versammelter angaloppiert und ich möchte in 7 Monaten mein erstes Turnier reiten. Ziele, welche sich wunderbar zusammen in einem Trainingsplan miteinander kombinieren lassen.

Ruhephasen mit einplanen. Diese sind entscheidend, damit das Pferd völlig regeneriert im nächsten Training neue Bestleistungen liefern kann – sowohl physisch und psychisch. (siehe letzter Blogpost „Sport studieren und Pferde trainieren“.)

Auf Trainingstiefs reagieren. Liegt es einfach an Unwilligkeit , oder steckt etwas anderes dahinter, dass mein Pferd leistungsschwächer ist. Dies kann beispielsweise Erschöpfung, falsche Fütterung, falsches Material, ua. sein, wodurch es zu Leistungsschwächen kommen kann.

Beim Menschen hört man immer wieder, dass Schlafen der Schlüssel zum Erfolg sei. Dies bedeutet beim Pferd, dass man sich darüber im Klaren sein sollte, wie gut es sich in der Haltungsweise erholen kann – ein Pferd, welches z.B. im Offenstall nie die Möglichkeit bekommt, stressfrei zu fressen, oder einen Liegeplatz zu bekommen, benötigt dann eine andere Lösung.

Unterforderung und Überforderung vermeiden. Hierzu eigenen sich Trainingspläne und -dokumentationen, um genau zu wissen, auf welchem Stand das Pferd beim letzten Training war und wo beim nächsten wieder angeknüpft wird.

Während der Showsaison versuche ich vermehrt auf Ausgleich, keine Überforderung, Ruhephasen und Entspannung zu achten. Speziell auf den großen Shows, die über mehrere Tage gehen und die Pferde in Boxen stehen ist es immer mein Ziel, dass das Pferd so wenig Zeit wie möglich in der Box verbringt. Spaziergänge, lockeres Longieren, Grasen lassen usw. ist dabei Pflicht, damit das Stresslevel so gering wie möglich und die Leistung so hoch wie möglich gehalten wird.

Man muss aus dem ganzen keine Wissenschaft machen, denn all‘ das ist eher Gefühlssache – auch auf Kleinigkeiten und Veränderungen im Verhalten achten, sich nach dem „Warum“ fragen und darauf reagieren.