Sport studieren und Pferde trainieren

Für mich definitiv nicht zwei unabhängig zueinanderstehende Dinge, sondern vielmehr (m)ein Konzept, welches beides miteinander verbindet.

Jeder Leistungssportler trainiert nach einem sehr spezifischen Trainingsplan, welcher jedes Training dokumentiert und steuert. Mittlerweile besitzen auch die meisten Hobbysportler einen Trainingscomputer / Fitnesstracker, wobei deutlich gemacht wird, welche Belastungsintensität im Training stattgefunden hat, wie lange die darauffolgende Regenerationszeit sein sollte, in welchem Pulsbereich man sich beim nächsten Training befinden sollte usw. Im menschlichen Sport wird immer mehr entwickelt, um die Leistungsfähigkeit und Gesundheit nachhaltig zu verbessern und aufrechtzuerhalten – Ziele, die für mich im Pferdetraining ebenfalls ganz oben stehen. Umso  unverständlicher ist es für mich, warum diese Aspekte im Pferdetraining so oft keine Beachtung finden. Für Pferde, die im Sport trainiert werden, sollte ein Trainingsplan selbstverständlich sein – zum einen, um einen Überblick über die Entwicklung zu erhalten und das Training dementsprechend anzupassen, zum anderen um bestmöglich auf gesetzte Kurz- und Langzeitziele hinarbeiten zu können.

Durch mein Sportstudium wird mir immer bewusster, wie entscheidend die richtige Trainingssteuerung ist – sowohl für den Menschen, als auch für das Pferd.

Ich meine welcher Turner turnt komplexe Übungen, ohne dementsprechend bemuskelt zu sein und gut ausgeprägte koordinative Fähigkeiten zu besitzen? Welcher Sprinter vollzieht seine Trainingseinheit ohne richtiges Warmup und anschließendes Cooldown?

Hierzu ein kleiner Exkurs in die Trainingslehre und ausgewählte Trainingsprinzipien: Für mich stellt der Begriff Regeneration – das Prinzip der optimalen Relation von Belastung und Erholung – einen sehr entscheidenden Parameter in Bezug auf Leistungsfähigkeit  dar. Der eigentliche Trainingserfolg findet nicht während sportlicher Belastung, sondern danach – während der Regeneration statt, da in dieser Zeit Mikroschäden repariert werden und sich der Organismus auf erneute Trainingsreize vorbereitet. Diese Trainingsreize müssen im folgenden Training so gewählt werden, dass sie eine individuelle  Schwelle überschreiten, um Leistungszuwachs hervorzurufen – Prinzip des trainingswirksamen Reizes.

Regeneration = Pause? Jein – denn Pause ist nicht gleich Pause. Es gibt sowohl passive, als auch aktive Regeneration, welche sich in kompletten Regenerationseinheiten äußern kann. Diese können individuell gestaltet werden, sollten aber in einer niedrigen Belastungsintensität gehalten werden und keine komplexen Bewegungsmuster umfassen – alles angepasst an den Trainingszustand und bisher erworbene Anpassung an äußere Gegebenheiten. Durch adäquate Regeneration wird die psychische und physische Grundeinstellung, Motivation und Ausgeglichenheit positiv beeinflusst, sie spielt also eine entscheidende Rolle was die Leistungsverbesserung angeht.

Im Sportstudium werde ich immer wieder mit komplexen Bewegungsmustern konfrontiert, die ich so vorher noch nie ausgeführt habe. Gerade dabei merke ich wie wichtig spezielle Muskeln für spezielle Übungen sind – wie wichtig und leistungsfördernd Krafttraining ist! Natürlich fällt es einem Pferd schwer versammelt anzugaloppieren, wenn die dafür benötigte Muskulatur nur schwach ausgeprägt ist. Kommen dann noch physischen Grundvoraussetzungen dazu, die dies nicht positiv unterstützen ist eine spezielle Vorbereitung umso wichtiger. Bei meinem Pony war dies der Fall und ich war erstaunt, wie schnell es zu großen Verbesserungen gekommen ist, nachdem ich gezielt an der Muskulatur gearbeitet habe. Ein Training der disziplinspezifische Muskeln ist Voraussetzung, um die Leistungsfähigkeit optimal steigern zu können und bestmögliche Trainingsergebnisse zu erzielen – oftmals sogar Voraussetzung, um eine Übung überhaupt korrekt ausführen zu können. Im menschlichen Training und im Pferdetraining!

Des Weiteren bestimmt die vorhandene Ausdauer darüber, wie schnell es im Training zum Ermüdungszustand kommt und wie lang die anschließende Regenerationszeit sein sollte. Ist diese gut trainiert, kann eine Trainingseinheit um einiges intensiver gestaltet werden und die Dauer verlängert werden.

Kraft, Ausdauer und Koordination zählen zu den motorischen Fähigkeiten, welche das Bewegungs- und Ausführungsniveau beeinflussen. Sie stehen in Wechselwirkung zueinander, sodass die Verbesserung in einem Bereich bedeutet, dass alle motorischen Fähigkeiten verbessert werden. Je besser diese Fähigkeiten trainiert sind, desto leichter fällt das Erlernen neuer Übungen – eine Tatsache, von der jeder Sportler profitiert!

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